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Jugend ohne Alter

by Annika von Taube

2010_K-Hole

Endlich haben Menschen, die schon seit ein paar Jahren bis Jahrzehnten aus der Pubertät heraus sind, eine Erklärung und Legitimation dafür, sich immer noch so zu fühlen und zu benehmen, als steckten sie mittendrin: Das Internet hat dafür gesorgt, dass Jugend nichts mehr mit Alter zu tun hat.

Herausgefunden haben das die Trendforscherkollektive K-Hole und Box 1824. Dass Verhaltensmuster oder Interessen nur für eine bestimmte Altersgruppe gelten und von dieser zur Abgrenzung von anderen Altersgruppen gepflegt werden, das gibt es nicht mehr – im „Youth Mode“ kann heute jeder leben.

Was das Internet damit zu tun hat? Es bietet mannigfaltige Möglichkeiten der Selbstdarstellung und verstärkt damit einhergehend den (pubertätstypischen) Wunsch nach Individualisierung, macht diese aber gleichzeitig zum Massentrend. Wir sind alle anders, und uns darin alle gleich.

Inkonsequenterweise wurde die Studie von K-Hole/Box 1824 im Rahmen des 89plus Marathon in der Serpentine Gallery in London vorgestellt: Das von Hans Ulrich Obrist initiierte Projekt wendet sich an die „digital generation“ und noch spezifischer an Geburtsjahrgänge ab 1989.

Nachdem nun aber Jugend nicht mehr eine Sache des Alters ist, können wir doch eigentlich auch die Messung desselben nach Lebensjahren abschaffen.

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